Laimer scherzt über Verlängerung
„Bester Transfer“: Alle schwärmen von „King Kane“ – Eberl reagiert auf Hoeneß-Aussagen
©IMAGO
Vincent Kompany kam als Letzter mit dem DFB-Pokal aus der Bayern-Kabine. Und der Trainer reichte die goldene Trophäe an Torjäger Harry Kane weiter, der in den Katakomben des Berliner Olympiastadions noch ein allerletztes Interview gab. Es war eine demonstrative Geste für den Mann des Abends, der mit seinem Hattrick nach der Pause quasi im Alleingang für das am Ende klare 3:0 des deutschen Meisters im Finale gegen den VfB Stuttgart sorgte.
Die Lobeshymnen prasselten in der langen Münchner Double-Nacht in der Hauptstadt nur so ein auf „King Kane“. Der 32 Jahre alte Engländer sprach selbst von „einer der schönsten Nächte in meiner Karriere“. Er schwärmte von „einer fantastischen Saison, auch wenn wir etwas unglücklich waren in der Champions League.“ Im Halbfinale scheiterten die Bayern knapp an Titelverteidiger Paris Saint-Germain und verpassten damit das Endspiel.
Die Superlative gehen bei Kane langsam aus. Er selbst fand aber noch eine. „Persönlich war es die beste Saison meiner Karriere“, sagte er nach 61 Toren in 51 Spielen. In München gewinnt er die Trophäen, die ihm als Spieler bei Tottenham Hotspur und bislang mit Englands Nationalteam versagt blieben.
Hoeneß: Kane der beste Transfer des FC Bayern
„Das war der beste Transfer, den wir je gemacht haben“, sagte Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß in der „ARD“ über den im Sommer 2023 für knapp 100 Millionen Euro verpflichteten Torjäger. „Sein Spiel ist so komplett“, meinte Trainer Kompany. „Harry ist ein absoluter Führungsspieler, der geleistet hat. Wenn es um Harry geht, dann geht es auch um Persönlichkeit. Diese hat er auch im Finale gezeigt. Und er geht jetzt topfit in die WM.“
Nicht nur spielerisch sei Kane beeindruckend, führte Kompany aus. „Es ist nicht nur seine überragende Qualität, sondern auch seine Persönlichkeit für die Gruppe. Keine Ahnung, wie man so viele Tore in seiner Karriere schießen kann und dann trotzdem dasteht wie einer von allen.“ Kane bedankte sich später für die großen Worte. „Und ich bin glücklich, dass ich mich in den drei Jahren, die ich hier bin, dafür revanchieren konnte.“
Auch vom Verlierer kam ausnahmslos höchste Anerkennung für Kane. „Das Gesamtpaket ist einfach nur Weltklasse, Weltspitze“, sagte Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß. „Er hat den Unterschied gemacht. Er hat leider wieder einen seiner Tage gegen uns gehabt. Es ist kaum zu glauben, was er leistet.“ VfB-Angreifer Deniz Undav (29) zollte ebenfalls Respekt: „Er ist sein drittes Jahr bei den Bayern, der Mann trifft, wie er will. Er macht die Dinger einfach eiskalt.“
Neuer Bayern-Vertrag für Kane? „Beide Seiten glücklich“
In dieser Zeit ist Kane dreimal Bundesliga-Torschützenkönig geworden. Sein Vertrag läuft aber nur noch ein Jahr. Er soll verlängert werden – und das auch möglichst bald. Kane ist dafür offen, er hat sich mehrfach zum FC Bayern bekannt. Er ist gelassen, seine Verhandlungsposition ist top. „Beide Seiten, denke ich, sind glücklich miteinander“, sagte der Engländer.
Für Bayern-Patron Hoeneß gibt es gar keine Diskussion. „Der FC Bayern ist ein Käuferverein, kein Verkäuferverein“, gab der 74-Jährige zu Protokoll. Kane werde auf jeden Fall in München bleiben. „Außerdem hat Barcelona doch gar kein Geld“, reagierte Hoeneß gelassen auf entsprechende Gerüchte. Auch Michael Olise (24) stufte er als „unverkäuflich“ ein, nachdem Startrainer José Mourinho zum Pokalfinale gekommen war. Olise gilt angeblich als Kandidat für seine kommende Station bei Real Madrid.
„Harry hat ein Jahrzehnt in der Premier League für Furore gesorgt, leider ohne Titel. Die sahnt er jetzt verdientermaßen ab“, meinte derweil Bayerns Sportvorstand Max Eberl. „Für mich hat er absolutes Recht, Ballon-d'Or-Gewinner zu werden.“ Wie Kane geht auch Konrad Laimer (28) in sein letztes Vertragsjahr. Nach dem Pokalsieg scherzte der österreichische Nationalspieler in einer Medienrunde über seine stockenden Verhandlungen.
Laimer in Sachen Verlängerung beim FC Bayern entspannt
Die Situation sei „ganz entspannt“, erklärte Laimer. „Ich habe es schon oft gesagt. Ich fühle mich hier richtig wohl. Es macht Spaß in der Mannschaft und jetzt schauen wir, wie es weitergeht.“ Auf das penetrante Nachfragen von „Sky“-Transferreporter Florian Plettenberg, warum er dann so viel Geld fordern würde, konterte Laimer lachend: „Du weißt ja gar nicht, was ich fordere.“ Er habe noch „noch nie etwas gefordert, aber jetzt schauen wir mal, wo die Reise hingeht. Ich bin jetzt drei Jahre hier und wir haben jetzt das Double gewonnen. Und ich habe noch vor, einige Titel zu gewinnen.“
Hoeneß hatte Laimer jüngst seine Wertschätzung ausgesprochen, aber auch betont, dass der Außenverteidiger kein Diego Maradona sei. „Ich und der Uli sind schon immer auf einer Wellenlänge gewesen. Das ist sowieso kein Problem“, sagte Laimer dazu. Die Verhandlungen sollen auf jeden Fall wieder laufen. Ob eine Unterschrift noch vor der WM realistisch sei? „Kann ich dir nicht sagen. Im Fußball geht es so schnell. Vielleicht mache ich da morgen was drunter, vielleicht irgendwann nach der WM. Ich weiß es nicht“, fügte Laimer an und scherzte abschließend: „Vielleicht wird Österreich Weltmeister – und es wird noch teurer.“
Bayern-Sportvorstand Eberl antwortet auf Hoeneß-Aussagen
Während alle in Feierlaune waren, musste sich Eberl hingegen schon vor dem Anpfiff mal wieder zu seiner eigenen Zukunft äußern. Bayerns Sportvorstand reagierte irritiert, aber auch mit deutlichen Worten auf Äußerungen von Ehrenpräsident Hoeneß an seinem Wirken beim Doublesieger. „Ich bin bereit, weiterzumachen – wenn man das möchte“, sagte der 52-Jährige, dessen Vertrag auch 2027 ausläuft. Eine Verlängerung ist offen.
Hoeneß hatte kurz vor dem DFB-Pokalfinale die Arbeit von Eberl zwar auch gelobt, sich bei der Zukunftsfrage aber nicht festgelegt. Der Bayern-Patron sprach viel mehr von einer Tendenz „60 zu 40 für eine Verlängerung“. Er fügte in einem „Spiegel“-Spitzengespräch aber auch hinzu: „Da sind noch Zweifel.“ Der Aufsichtsrat um Präsident Herbert Hainer, Hoeneß oder auch den früheren Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge entscheidet über Verträge mit den Vorständen. „Die Zweifel, die sind da scheinbar“, bemerkte Eberl. Der Aufsichtsrat habe die Möglichkeit, diese zu äußern.
Nach der Sommerpause dürfte es spannend werden rund um die Zukunft Eberls. Was macht er, wenn es nicht zu einer Verlängerung kommen sollte. Wirft er dann hin? „Ich muss mit Szenarien leben, die mir auferlegt werden. Mein Leben wird weitergehen. Ich bin da, um meine Arbeit zu machen.“ Über eine mögliche Verlängerung kann frühestens ab dem 1. Juli verhandelt werden, weil Verträge mit Vorständen erst ein Jahr vor dem Auslaufen verlängert werden können. Auch der Kontrakt von Vorstandschef Jan-Christian Dreesen endet 2027. Hier stehen alle Zeichen auf Verlängerung.
An Hoeneß prallte Kritik am Zeitpunkt des Interviews ab. „Ich kann nur Interviews geben, wenn ich angefragt bin. Und ich habe Markus Feldenkirchen vor einem halben Jahr zugesagt, dass ich mal komme, und jetzt in Verbindung mit dem Pokalfinale habe ich den Termin wahrgenommen“, sagte er bei „Sky“ und ergänzte über Eberl: „Ich bin immer ehrlich und das ist meine persönliche Einstellung. Ich bin zu Max sehr gut eingestellt, aber ich weiß, was im Verein gedacht wird, und ich möchte nicht etwas sagen, was ich dann nachher nicht halten kann.“
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