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Steigerwald-Talk [OT-Thread]

03.08.2013 - 15:00 Uhr
Steigerwald-Talk [OT-Thread] |#641
25.06.2024 - 16:55 Uhr
Tja, die Ultras nehmen es -wie erwartet- nicht allzu positiv auf, dass ein Testspiel gegen RB bestritten wird.

Ich möchte aber mal die Punkte kommentieren und vorneweg schicken: Ich bin kein ausgewiesener RB Leipzig - Fan, aber wer meine Posts hier, kennt weiß, dass ich viel kritisch/ differenziert sehe und kritisch hinterfrage.



Der FC Rot-Weiß Erfurt bestreitet am 19. Juli 2024 ein Testspiel bei Rasenballsport Leipzig. Die Erfordia Ultras positionieren sich einer Stellungnahme gegen das geplante Testspiel. Sie kritisieren die Entscheidung des Vereins scharf und sehen darin einen Verrat an den Werten, die Rot-Weiß Erfurt als Traditionsverein vertreten sollte.

Die Hauptpunkte der Kritik der Erfordia Ultras im Überblick:

1. Werteverrat: RB Leipzig wird als Symbol des kommerziellen Fußballs gesehen, das den Gemeinschaftsgeist und die traditionellen Werte des Sports zerstört. Die Ultras werfen dem Verein vor, diese Werte zu verraten, indem sie ein Testspiel gegen Leipzig ansetzten.

Klar ist, dass RBL kommerziell ausgerichtet ist – das bestreitet niemand. Aber ohne Kommerz hat man heutzutage keine Chance. Was den Gemeinschaftsgeist und die traditionellen Werte angeht, ist das oft eine romantisch verklärte Erinnerung an vergangene Tage.

Gerade im Osten sollte man nicht vergessen, dass fast jede "traditionelle" Ostmannschaft während der DDR-Zeiten als "Werkself" bestand.
Zudem profitiert der Osten – wenn auch indirekt – seit der Gründung von RB Leipzig.
Manche werden jetzt fragen: Profitieren? Bist du verrückt?
Ein Beispiel: Carsten Kammlott in Erfurt. Klar war er einer der Top-Scorer, aber allein konnte er Erfurt nicht zum Aufstieg schießen.
Die Ablösesumme von 800.000 € war jedoch mehr als üppig. In den zwei Saisons nach Kammlotts Abgang erreichte Erfurt zweimal den 5. Platz in der 3. Liga, was die höchste Platzierung in Erfurts 3. Liga-Geschichte bedeutete. Abgesehen davon kam Kammlott 3,5 Jahre später ablösefrei zurück und performte wieder gut.

Außerdem sollte man nicht vergessen wie viele ehemalige Jugendspieler von RB ins Umland strömen weil sie bei RB keine Chance erhalten. Für die Fans bedeutet das aber, dass sie meist ablösefrei gut ausgebildete junge Talente von einem Bundesligisten bekommen , die auch noch mit der Region vertraut und nicht selten dort auch verwurzelt sind.

Was den Gemeinschaftsgeist betrifft: Für mich bedeutet das, Schaden von der Gemeinschaft abzuwenden. Das heißt, bei Derbys auf Pyrotechnik zu verzichten, damit Familien keine Angst haben müssen, dass jemand – insbesondere Kinder – verletzt wird.

Zum Thema Tradition: Anstatt den Verein unter Gerber zu akzeptieren, hätte man lieber den Verein auflösen und mit den Fans neu gründen sollen, wie bei Lok oder Chemie Leipzig.

Ein Testspiel macht die Vereine nicht gleich zu "Freunden" oder bedeutet, dass man die Werte von RBL teilen muss. Daher sollte man wegen eines Spiels nicht so allergisch reagieren.



Zitat von usernick

2. Künstliche Fanstrukturen: RB Leipzig wird als Produkt des Red Bull-Konzerns betrachtet, das durch aggressive Marketingstrategien und finanzielle Macht künstliche Fanstrukturen aufbaut, die nicht im Sinne des Gemeinwohls, sondern zum Vorteil des Konzerns agieren.


Als Fan eines Traditionsvereins mag die Fanstruktur bei RB Leipzig künstlich wirken. Ich behaupte jedoch, dass die Fankultur dort allmählich auf natürliche Weise gewachsen ist. Dies möchte ich wie folgt begründen:

  • Familien sind oder waren es leid, bei Derbys der Traditionsvereine Ausschreitungen oder Pyrotechnik mitzuerleben. Sie bevorzugen einen "heile-Welt-Verein" mit einem sicheren Stadion, wo sie einfach nur jubeln und gemeinsam feiern können.
  • Enttäuschte Fans haben die Nase voll davon, dass im Osten kein hochklassiger Fußball gespielt wird. Sie möchten nicht mit der vagen Hoffnung, dass in 10-20 Jahren vielleicht die 3. oder 2. Liga erreicht werden könnte, ins Stadion gehen. Ultras können froh sein, denn "Erfolgsfans" wollen sie ohnehin nicht. Und wie unterscheidet es sich, ob ein Ossi nun mit einem RB-Schal statt mit einem Schal von Dortmund, Bayern oder Leverkusen herumläuft?
  • Zu guter Letzt: RB Leipzig gibt es mittlerweile seit 15 Jahren. Inzwischen gibt es viele Kinder und Jugendliche, die mit dem Verein aufgewachsen sind und nichts anderes kennen. Für sie ist es logisch, einen Bundesligaverein aus der Nähe anzufeuern und dessen Logo zu tragen, anstatt das von Bayern, Dortmund oder anderen Vereinen.


Ich habe hier nochmal was herausgesucht, was die Thematik gut beleuchtet:

Geschäft statt Tradition? Warum RB Leipzig immer noch die Fußball-Nation spaltet | exactly | Doku

Hass, Kommerz & Rasenball - als Schalker im Leipzig-Fanbus


Übrigens, im ersten Video ab Minute 09:45 wird die Aussage gemacht: "Es gibt Vereine, die haben jahrelang gekämpft, gewirtschaftet und malocht für ein Stadion voller Fans. Und durch die harte Arbeit kamen Sponsoren." Das möchte ich auch kommentieren:

Hier im Osten müssen sich Vereine oft noch mehr abrackern. Stichwort: Regionalliga-Aufstiegsregelung. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation im Osten kommen jedoch oft nicht so zahlungskräftige Sponsoren. Viele Fans beschweren sich gar nicht erst mehr darüber, vielleicht auch, weil sie es leid sind, gegen Windmühlen anzukämpfen oder weil sie es leid sind, als "Jammer-Ossis" tituliert zu werden. Darum halte ich die Kritik für Quatsch.

Wenn RB Leipzig anstatt eines eigenen Vereins zu gründen, theoretisch breitflächig Mannschaften aus dem Osten gesponsert und zum Aufstieg gepusht hätte, würde dieser Hass auf den gesamten Osten niederprasseln. Für mich wirkt das wie Neid und Eifersucht.

Dann heißt es noch: "Deshalb sterben die anderen." Ich habe keine Kenntnis, dass irgendjemand unter RBs Aufstieg "leiden" oder deshalb "sterben" musste. Selbst SSV Markranstädt und ESV Delitzsch sind wieder da, die damals von RB kurzfristig "geschluckt" wurden.

Ob man RB jetzt mag oder nicht, in meinen Augen profitiert Leipzig als Stadt, und der ostdeutsche Fußball durch die Jugendspieler von RB und die Spieler, die es über andere ostdeutsche Vereine niemals in den Profifußball schaffen würden.



Zitat von usernick

3. Respektlosigkeit gegenüber Fans: Die Ultras empfinden die Ankündigung des Testspiels als respektlos, insbesondere weil sie und andere Fans über die Entscheidung nicht informiert wurden. Die Bekanntgabe des Spiels wurde mit Bildern der Steigerwaldkurve beworben, was sie als Verhöhnung ihrer Ablehnung gegenüber RB Leipzig betrachten.

Dass die Fans nicht informiert wurden, zeigt sich jetzt im Protest.
Im TM-Forum von RB Leipzig vermutete man bereits, dass genau solche Proteste der Grund sind, warum das Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.
Paradoxerweise würde man sich über andere Bundesligisten freuen, besonders wenn ein Spiel im Steigerwaldstadion stattfände und man Einnahmen generieren könnte. Hier jedoch fordert man die Absage eines Spiels auf einem Leipziger Trainingsgelände.

Die Bekanntgabe mit Bildern der Steigerwaldkurve ging ehrlich gesagt an mir vorbei, aber ich finde es gelinde gesagt auch despektierlich, dass man das Spiel mit Bildern der Steigerwaldkurve bewirbt.
Wer seine Fans kennt, sollte auch das nötige Fingerspitzengefühl haben.

Zitat von usernick

4. Scheinheiligkeit des Vereins: Die Ultras sind der Ansicht, dass der Verein die vermeintlichen sportlichen Vorteile und finanziellen Erträge des Spiels über die Werte und die Identität des Traditionsvereins stellt. Sie bezweifeln die Aufrichtigkeit des Vereins in der Kommunikation über sportliche und finanzielle Ziele.

Ich weiß nicht, inwieweit der Verein seine "Tradition" mit diesem Spiel verraten soll.
Meiner Meinung nach ist das pure Übertreibung.

Diese Aussagen kommen meiner Meinung nach auch ziemlich spät.
Viele Werte und Teile der Identität sind bereits vor Jahren verloren gegangen.
Das Schweigen, das Ausbleiben von Fragen und die fehlende Konfrontation der Vereinsführung mit diesen Ansichten haben zu dieser Entwicklung beigetragen.

Die Gerbers waren immer schon sparsam mit ihren Aussagen.
Angesichts des mickrigen Budgets und der ständig abspringenden Sponsoren und Spieler ist es kein Wunder, dass hier keine klaren und festen Aussagen getroffen werden (können).

Zitat von usernick

5. Aufforderung zur Absage: Sie fordern die Vereinsführung auf, das Spiel abzusagen und sich auf den nachhaltigen Aufbau und die finanzielle Gesundung des Vereins im Einklang mit seinen traditionellen Werten zu konzentrieren.


Ohne Sponsoren wird es weder einen nachhaltigen Aufbau noch eine finanzielle Gesundung geben. Erfurt ist mittlerweile zu unbekannt und unbedeutend geworden. Würde das Spiel im Steigerwaldstadion stattfinden, bin ich überzeugt, dass es genügend Zuschauer anziehen würde, die einen Bundesligisten sehen möchten. Dies würde ein ausverkauftes Haus und erhebliche Einnahmen bedeuten.

Wenn die Ultras jedoch alles im Keim ersticken, was bleibt dann? Keiner von ihnen ist der Chef eines Multimilliardenkonzerns, der dem FCRWE einen lukrativen Sponsorenvertrag verschaffen könnte.

Man könnte – wenn man will – fast sagen, dass der Verein am Boden liegt – wieder einmal – und es sieht momentan nicht danach aus, als würde es bergauf gehen.
Die Vereinsführung hat Schwierigkeiten, mit lokalen kleinen und mittleren Unternehmen zu kommunizieren. Das zeigte ein Stellenangebot vor zwei Jahren, als man jemanden fürs Sponsoring suchte, der "mit den Betrieben in Mundart kommunizieren kann".
Aber selbst diese kleinen und mittleren Betriebe können den Verein nicht ewig tragen.

Ich weiß nicht was sich die Ultras und manche Fans vorstellen, aber wenn der Verein sich nicht neu erfindet, Leute ins Boot holt die die Mentalität des Ostens / der Erfurter kennen und auch mal Ideen,Vorschläge,Tipps,Hinweise annimmt dann wird der Verein stagnieren oder möglicherweise irgendwann in die Unterklassigkeit wieder verschwinden.

Man muss es so hart sagen, wie es ist: Außerhalb von Erfurt und dessen Umland würde es vermutlich keine Sau interessieren, wenn der Verein irgendwann gänzlich abstürzt.


Zitat von usernick

6. Boykott und Protest: Sollte das Spiel nicht abgesagt werden, kündigen die Ultras an, jegliche Zusammenarbeit mit dem Verein auszusetzen und fordern andere Fans auf, ebenfalls gegen die Entscheidung zu protestieren.


Super, das ist die Lösung. rolleyes

Wie wäre es stattdessen, aufeinander zuzugehen, mit dem Verein und den Verantwortlichen zu kommunizieren und gemeinsam finanzielle und sportliche Ziele zu formulieren?
Wie wäre es stattdessen seine Hilfe anzubieten, scheinbar kriegt der Verein selbst solche Spiele wie FC Groningen nicht arrangiert.

Spaltung und dem Verein den Rücken zudrehen, sind keine Lösungen.


Zitat von usernick

Die Erfordia Ultras betonen, dass der FC Rot-Weiß Erfurt mehr als nur ein Verein sei und sich seiner Verantwortung gegenüber seinen Fans und der Region bewusst sein sollte.

Auf das internationale Testspiel am 13. Juli 2024 freut sich die RWE-Fanszene hingegen. An diesem Tag geht es in den Niederlanden gegen den FC Groningen, zu deren Fanszene eine Freundschaft besteht. Diese geht u.a. auf das Abschiedsspiel im Steigerwaldstadion zurück. (Faszination Fankurve, 25.06.2024)




Klar ist FC RWE mehr als ein Verein.
Aber dann hätte man schon eher mal das Gespräch suchen und den Verein mal dazu bringen müssen Hilfe/Vorschläge/Ideen anzunehmen. Hinterher zu kommen ist kontraproduktiv. Die Gerbers sind nunmal weder Ossis, noch Thüringer oder Erfurter.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Onkelzfan3 am 25.06.2024 um 17:19 Uhr bearbeitet
Steigerwald-Talk [OT-Thread] |#642
25.06.2024 - 19:08 Uhr
Hab gerade auf der Webseite der EFU's gelesen , dass RWE sogar Geld für das Testspiel bekommt.

Umso unverständlicher für mich da den Aufstand zu proben.
Klar RBL ist für viele kein Sympathieträger, aber was gäbe es für Alternativen um an Geld zu kommen?
Der Verein steht mit dem A*sch zur Wand,Sponsoren sind nicht in Sicht.

...

Außerdem wurde ein nicht näher bezifferter „finanzieller Erlös“ gegen die Seele und gemeinschaftlichen Sinne des FC Rot-Weiß Erfurt gestellt, welcher unserseits in der Sinnhaftigkeit generell in Frage gestellt wird. Wenn wir als Verein auf finanzielle Almosen eines österreichischen Brauseproduzenten angewiesen sind, dann kann es mit dem Versprechen der finanziellen Gesundung nicht so weit sein. Müßig zu erwähnen, dass dem Verein seit Jahren wichtige Einnahmen aus dem Pokalwettbewerb fehlen, welche augenscheinlich versucht werden zu kompensieren ohne das eigentliche Problem der mangelnden Fokussierung auf diesen Wettbewerb anzugehen. Wo waren und sind da die sportlichen Ambitionen?

...


Fazit: Es muss jetzt schleunigst ein Dialog zwischen Fans/Ultras und Verein stattfinden.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Onkelzfan3 am 25.06.2024 um 19:13 Uhr bearbeitet
Steigerwald-Talk [OT-Thread] |#643
26.06.2024 - 14:53 Uhr


Die RWE-Fans lehnen das RB-Modell ab und verweisen auf die anderen Ostklubs, die keine Testspiele gegen Leipzig austragen. Die „Erfordia Ultras“ stellen klar, „dass für uns ein weitergehender Austausch mit dem Verein und eine Zusammenarbeit unter diesen Bedingungen keinen Sinn mehr macht.“

Eine Botschaft, die auch RWE-Boss Franz Gerber (70) registrierte. Er am Mittwochvormittag zu BILD: „Man muss die Vorbehalte der Fans zur Kenntnis nehmen und versuchen, eine vernünftige Lösung zu finden. Wir werden mit RB darüber sprechen und bis Ende der Woche eine Entscheidung fällen.“

Man wolle nicht an einem bloßen Testspiel einen Konflikt mit den eigenen Anhängern vom Zaun brechen. Dennoch hätte sich Gerber eine andere Art der Kommunikation durch die Fans gewünscht: „Da ist mir zu viel Schwarz-Weiß-Denken“, sagt er.
...
Leipzig braucht Planungssicherheit

Doch Leipzig kam Gerber und Co. zuvor! Nach BILD-Informationen sagte RB am Mittag den Test mit dem Regionalligisten ab. Grund: Im Sommerfahrplan von Trainer Marco Rose (47) soll Planungssicherheit herrschen. Ein langes Warten kann sich der Verein nicht leisten.

Während die Leipziger wohl schnell einen Ersatzgegner finden dürften – die Nachfrage von unterklassigen Vereinen gegen das Rose-Team zu testen ist hoch – platzt RWE die Saisongeneralprobe weg.
...


augen-zuhalten
Die Führung des FC Rot-Weiß Erfurt schafft es einfach nicht, effektiv mit den Fans zu kommunizieren.

In Bezug auf RB Leipzig kann man verstehen, dass sie Planungssicherheit wünschen. Und was die RWE-Fans betrifft, sind sie nun sicherlich erleichtert, dass das Spiel nicht stattfindet.
Letztendlich wird ein Spiel den Verein nicht finanziell retten, kann aber das gesamte Image gegenüber anderen Fans und Ultras im Land zerstören.
Man denke nur daran, welche Abneigung Paderborn zu spüren bekam, als gemutmaßt wurde, sie könnten mit RBL kooperieren. Für die Ultras ist das von großer Bedeutung, und sie sind das Einzige, was RWE noch bleibt.

Die Fans sollten sich aber nicht beklagen, wenn sie eine Vereinsführung, die nicht in der Lage ist zu kommunizieren und immer wieder neue abwegige Entscheidungen trifft (im Steigerwaldstadion spielen, obwohl die finanziellen Mittel fehlen und die Oberliga keine großen Gegner bietet, eine zweite Mannschaft aufstellen wollen, obwohl das Geld an allen Ecken und Enden fehlt, keine Ratschläge von außen annehmen), einfach gewähren lassen.
Steigerwald-Talk [OT-Thread] |#644
03.07.2024 - 03:18 Uhr
Es gibt Momente, in denen man einfach sprachlos vor Wut und Enttäuschung ist. Der jüngste Aufschrei der Ultras vom FC Rot-Weiß Erfurt, die ein Testspiel gegen RB Leipzig ablehnen, weil sie RB Leipzig als ein Konstrukt und einen Kommerzverein betrachten und der Meinung sind, unser Traditionsverein würde seine Werte und Traditionen verraten, gehört definitiv dazu. Doch ich will eine rhetorische Frage stellen: Welche Traditionen und Werte haben die Ultras denn bei Rot-Weiß Erfurt im Sinn? Und warum sollten die bei einem TEST- ja richtig TEST und nicht Freundschaftsspiel, verraten werden?

Die traurige Wahrheit ist, dass von dem, was Rot-Weiß Erfurt einst ausmachte, längst nichts mehr übrig ist. Ein eklatantes Beispiel hierfür ist der Abriss des Marathon-Tors im Steigerwaldstadion. Obwohl Rot-Weiß Erfurt nicht direkt schuld daran ist, hätte der Verein vehementer protestieren können. Der Verlust dieses symbolträchtigen Bauwerks zugunsten eines neuen Stadions, für das man bundesweit verspottet wird und das den zynischen Beinamen "Drei-Seitenhof" trägt, war ein schwerer Schlag gegen die Tradition.

Rot-Weiß Erfurt hat nicht nur durch den durch Rolf Rombach verschuldeten Absturz an Tradition verloren, sondern auch durch die nachfolgende miserable Führung unter Volker Reinhardt. Diese Entwicklungen führten dazu, dass das Nachwuchsleistungszentrum seinen Status verlor und der Verein in völliges Chaos stürzte.

Auch wenn Franz und Fabian Gerber den Verein zumindest aus der 5. Liga geholt haben, kann man weder die Lage noch die Perspektive als gut bezeichnen. Ideen wie die, während der Oberliga schon ins Stadion zurückzukehren, obwohl man in der Insolvenz steckt, hoch verschuldet ist und keine großen Sponsoren hat, sind einfach nur naiv. Jeder, der die Realität betrachtet, weiß, dass mit jedem Spiel Verluste eingefahren werden. Eine 2. Mannschaft aufstellen zu wollen, ohne das nötige Geld zu haben, und die eigenen Fans anzubetteln, um überhaupt eine Aufstellung hinzubekommen, ohne zu wissen, wie diese später finanziert werden soll, ist schlichtweg illusorisch. Immerhin wurde die 2. Mannschaft damals aus wirtschaftlichen Gründen aufgelöst, weil sie mehr kostete, als einbrachte.

Während der Oberliga-Saison hat man es verpasst, intensiv daran zu arbeiten, Jugendliche aus der Region an die 1. Mannschaft heranzuführen. Stattdessen wurden Spieler aus Englands 7. bzw. 8. und 5. Liga, aus der U23 eines portugiesischen, eines französischen und eines schwedischen Zweitligisten, aus der 4. kroatischen Liga, der 2. bosnischen Liga und der 2. belgischen Liga geholt. Wo bitte waren da die "Tradition und Werte"?

Im Verein scheint es zudem einige Leute zu geben, die zu sehr von sich selbst überzeugt sind und Probleme damit haben, sich eigene Fehler einzugestehen, obwohl sie bei ehemaligen Vereinen keine gute Figur abgegeben haben. Es werden keine Ideen,Vorschläge,Tipps angenommen.

Ein trauriges Muster, das fast schon als "Tradition" bezeichnet werden könnte, ist die chronische Pleite des Vereins.
Sponsoren sind nicht willens, dies zu ändern, da sie sehen, dass Investitionen hier nicht zu Erfolgen führen. Sie fürchten (zu Recht), dass Gelder in utopische Fantasien wie eine 2. Mannschaft oder andere Verlustgeschäfte verpulvert werden.
Der mittelmäßige Fußball (der vom Trainer auch bei Grottenkicks schön geredet wird), inklusive ständigen Ausscheidens aus dem Thüringenpokal gegen "vermeintlich" machbare Gegner.
Die Kommunikation des Vereins funktioniert einfach nicht. Man ist nicht in der Lage, sowohl lokale Mittelstands- als auch Großsponsoren zu überzeugen.
Und anders als in anderen Vereinen ist kein ehemaliger namhafter Spieler im Verein aktiv.

Welche Traditionen und Werte meint man also, wenn von Verrat bei einem Spiel gegen RBL gesprochen wird? Vielleicht wäre es an der Zeit, sich der Realität zu stellen und konstruktiv an einer besseren Zukunft für den Verein zu arbeiten, statt sich an längst verblasste Vorstellungen zu klammern.

Die Leute im Klub müssen lernen sich an die eigene Nase zu fassen, Ratschläge anzunehmen, den Klub neu zu erfinden und auch so zu präsentieren. Und die Leute auf der anderen Seite müssen (wenn möglich) auch mal Entscheidungen kritisch hinterfragen, kritisieren bzw. öffentlich kritisch ansprechen bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Onkelzfan3 am 03.07.2024 um 03:24 Uhr bearbeitet
Steigerwald-Talk [OT-Thread] |#645
03.07.2024 - 12:23 Uhr
Zitat von Onkelzfan3

Die traurige Wahrheit ist, dass von dem, was Rot-Weiß Erfurt einst ausmachte, längst nichts mehr übrig ist. Ein eklatantes Beispiel hierfür ist der Abriss des Marathon-Tors im Steigerwaldstadion. Obwohl Rot-Weiß Erfurt nicht direkt schuld daran ist, hätte der Verein vehementer protestieren können. Der Verlust dieses symbolträchtigen Bauwerks zugunsten eines neuen Stadions, für das man bundesweit verspottet wird und das den zynischen Beinamen "Drei-Seitenhof" trägt, war ein schwerer Schlag gegen die Tradition.


Zum Rest deines Texts kann ich mangels Nähe nicht viel sagen (empfehle aber das Interview mit Erfordia Ultra im Erlebnis Fußball #90), doch hier würd ich gern einhaken.

Kommt wohl drauf an, in was für einer Bubble man sich so bewegt, aber in meiner Bubble wird das Steigerwaldstadion durchweg als einer der gelungensten Neubauten wahrgenommen. Wiedererkennungswert, in der Form mit Orientierung am alten Bestand, die Flutlichter noch da. Und stimmungstechnich ein riesiger Schritt nach vorne gegenüber dem alten Zustand. Steigerwaldkurve hat sich richtig gemacht.

Und die Ultras können sich halt gut was rausnehmen im Verein, weil sich halt gezeigt hat: Wenns hart auf hart kommt, sind halt noch sie plus Umfeld da und recht wenig Drumrum. Da fängt man natürlich an, sich sein "Leidensumfeld" ein bisschen nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, was ich verständlich finde.

•     •     •

KONSTANZ - schönste Stadt am Rhein

SC Freiburg - Karlsruher SC - SG Dynamo Dresden - Stuttgarter Kickers - CR Flamengo
Steigerwald-Talk [OT-Thread] |#646
03.07.2024 - 16:23 Uhr
Zitat von Konstanz

Kommt wohl drauf an, in was für einer Bubble man sich so bewegt, aber in meiner Bubble wird das Steigerwaldstadion durchweg als einer der gelungensten Neubauten wahrgenommen. Wiedererkennungswert, in der Form mit Orientierung am alten Bestand, die Flutlichter noch da. Und stimmungstechnich ein riesiger Schritt nach vorne gegenüber dem alten Zustand. Steigerwaldkurve hat sich richtig gemacht.

Es ging weniger um das Stadion selbst.
Auch wenn ich den Erhalt der Flutlichter nicht besonders feiern würde, sollte dies nach ihrem Umbau und der erheblichen Investition fast schon selbstverständlich sein. Was den Rest des Stadions betrifft, ist es bis heute fragwürdig, dass man die hässliche Haupttribüne behielt, deren nutzloses Dach bei Wind keinen Regen abhält, und stattdessen das historische Marathon-Tor abriss, das ursprünglich in die neue Struktur integriert werden sollte. Wenn der Stadt nach der ganzen Kostenexplosion nicht das Geld fehlen würde, hätte man die Haupttribüne – und das zu Recht – längst abgerissen, denn sie passt einfach nicht ins Gesamtbild und musste in der Vergangenheit aus Sicherheitsgründen oft genug gesperrt werden. Man stelle sich das Geschrei vor, wenn dort 4.000 Menschen sitzen und die Tribüne zusammenbricht.

Zitat von Konstanz

Und die Ultras können sich halt gut was rausnehmen im Verein, weil sich halt gezeigt hat: Wenns hart auf hart kommt, sind halt noch sie plus Umfeld da und recht wenig Drumrum. Da fängt man natürlich an, sich sein "Leidensumfeld" ein bisschen nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, was ich verständlich finde.

Bittesehr, aber dann kein Geschrei, wenn der Verein in ein paar Jahren in der Thüringenliga spielt. Dann heißt es gleicher Support und mehr Einsatz für die finanziellen Ausfälle, die sie verursacht haben.
Diese Ideale und das heile Weltbild der Ultras mögen gut und schön sein, aber sie sind nutzlos und pures Gift, wenn es darum geht, einen Verein zu erhalten, der im übertragenen Sinne dem Tod von der Schippe gesprungen ist und sich noch nicht erholt hat.
Der Verein steht finanziell mit dem Rücken zur Wand und kann es sich nicht leisten, bei Sponsoren, Testspielgegnern oder anderen Geldquellen wählerisch zu sein.
Die Ultras mögen den Verein unterstützen, aber sie finanzieren ihn nicht und sind daher auch nicht größer als der Verein.
Ultras kommen und gehen (spätestens wenn eine Fahne geklaut wird), aber der Verein bleibt mit ein bisschen Glück für immer.
Ein Verein, der droht, in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen, dem helfen auch keine Ultras mehr in der 5., 6. oder 7. Liga.
Wenn der Verein irgendwann wieder in der Liga 5 oder tiefer spielt, kann er sich nicht durch den Besuch von ein paar hundert Ultras über Wasser halten – es sei denn, unter den Ultras befinden sich Jeff Bezos, Elon Musk oder Bill Gates.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Onkelzfan3 am 03.07.2024 um 16:30 Uhr bearbeitet
Steigerwald-Talk [OT-Thread] |#647
04.07.2024 - 18:24 Uhr
Schulz landet in Köln.
https://www.viktoria1904.de/aktuelles/bleibenden-eindruck-hinterlassen-kwabe-schulz-wird-viktorianer
Steigerwald-Talk [OT-Thread] |#648
17.09.2024 - 18:53 Uhr
Seit über einem Jahr hat Rot-Weiß Erfurt auswärts nicht mehr gewonnen. Dazu verlief der Saisonstart katastrophal. In Meuselwitz wurden bereits laute „Gerber raus!“-Rufe vernommen.

...
Warum auch? In 90 Prozent der Fälle bringt ein Trainerwechsel langfristig gar nichts, und Geld für einen neuen Coach haben wir ohnehin nicht.
...



Fabian Gerber bleibt -wie zu erwarten- also im Amt. Hätte auch nicht erwartet dass er etwas zu befürchten hat solange sein Papi den Verein leitet.

Was der Verein zu den Gründen sagt und wie sich der FC Rot-Weiß Erfurt in der Öffentlichkeitsarbeit künftig aufstellt.

Das war ein kurzes Gastspiel. Nicht einmal drei Monate nach seinem Einstieg als Pressesprecher beim FC Rot-Weiß Erfurt ist Michael Cebula schon wieder weg. Am Dienstag verkündete die Fußball GmbH das Ende der Zusammenarbeit.

...


Dafür geht der Pressesprecher nach nur 3 Monaten.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Onkelzfan3 am 17.09.2024 um 18:57 Uhr bearbeitet
Steigerwald-Talk [OT-Thread] |#649
17.09.2024 - 21:33 Uhr
Bezüglich FG jr. war ja zu erwarten das es so kommt der sitzt ja noch fester im Trainerstuhl als Frank Schmitt von Heidenheim. Wurden eigentlich irgendwelche Gründe genannt warum der Pressesprecher schon wieder weg ist?
Steigerwald-Talk [OT-Thread] |#650
17.09.2024 - 23:06 Uhr
Ich finde die Argumentation durchaus interessant, die gewählt wird, um den Nicht-Rausschmiss zubegründen --> es bringt langfristig nichts und man hätte kein Geld silentsilentsilent

Zum Argument 1:
Wie sieht denn die langfristige Entwicklung aus? Was ist unser langfristiges Ziel und wie sieht unser Entwicklungsweg dahin aus, um zu beurteilen, ob wir uns auf dem richtigen Weg befinden?!
Es kann KEINER beantworten, ipso facto darf und kann man auch nicht behaupten, dass es langfristig nichts bringen würde, weil man nicht weiß, wo man langfristig stehen will

Beurteilung: Schwachsinn!! augen-zuhaltenaugen-zuhaltenaugen-zuhalten

Zum Argument 2:
Wer ist denn verantwortlich, dass genug Geld in der Kasse ist? Hmm mal kurz überlegen silentsilent
Gerber selbst!!! starkstarkstark
Mit anderen Worten: Weil Papa in der Sponsorengewinnung Scheiße gearbeitet hat, kann er keinen Trainer bezahlen silentsilentsilent

Beurteilung: Armutszeugnis!!!silentsilentsilent
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