Zwischen „rübenrabenvoll“ und „scheiße glücklich“: So läuft Paderborns Kaderplanung an
Wie seine nächsten Tage aussehen werden, wusste Laurin Curda kurz nach Abpfiff noch nicht – und das aus gutem Grund. „Ich habe am Freitag noch eine Hochzeit selber zu feiern. Deswegen ist der Plan ein bisschen eng getaktet“, sagte der 24-Jährige, der mit seinem 2:1-Siegtreffer in der Verlängerung den SC Paderborn zum Aufstieg in die Bundesliga geschossen hatte. Bei den Ostwestfalen, die sich erst am letzten Zweitliga-Spieltag den Relegationsrang gesichert hatten, kannten Stimmung und Vorfreude in der Nacht auf Dienstag keine Grenzen. Hinein in die Euphorie starten nun die Kaderplanungen und Vertragsgespräche für die kommende Saison.
„Mal schauen, wie es läuft“, sagte Curda nach Abpfiff am Montagabend zum weiteren Verlauf der Woche und grinste. In der Partystimmung im Paderborner Stadion dachte der Defensivspieler, der 2023 zum SCP gekommen war und über den Umweg 5. Liga zum Profi wurde, auch an schwere Zeiten. „Es wirbelt alles hoch. Ich erinnere mich gerade, wie ich damals hergekommen bin. Wie schwer es auch war“, sagte er. Trainer Ralf Kettemann konnte seine Gefühle noch nicht so richtig greifen. „Ich freue mich, wenn der Moment kommt, wenn ich Zugang zu den Gefühlen habe“, sagte er.
„Das wird crazy. (…) So schwer zu beschreiben. Ich habe kurz Ruhe gebraucht. Es war sehr intensiv, sehr tough. Surreal – Ich habe mir schon vorgenommen, wenn es passiert, dass ich mir kurz den Moment gönne, um mal durchzuatmen.“ Der 39-Jährige trainierte bis zum vergangenen Sommer die Jugend des Karlsruher SC. Nun ist er für den dritten Bundesliga-Aufstieg des SC Paderborn nach 2014 und 2019 verantwortlich. Das will er entsprechend feiern. Auf die Frage, ob er bei möglichen Vertragsgesprächen mit Spielern am Tag nach dem Aufstieg dabei sein werde, sagte Kettemann. „Auf keinen Fall, ich werde rübenrabenvoll sein.“
Michel über Kettemann: „Ich bringe den auch ins Krankenhaus“
Man habe den Sieg gegen die in Sachen Kaderwert knapp sechs Mal so wertvollen Wolfsburger „geschafft mit Jungs, von denen heute, glaube ich, vier in der Startaufstellung waren, die in der letzten Saison nicht mal Zweite Liga gespielt haben. Aufgestiegen ist der Verein schon zweimal, aber drin geblieben noch nicht. Da müssen wir jetzt schauen, dass wir gute Entscheidungen treffen. Aber die wichtigste Entscheidung ist, dass wir heute Abend wirklich einen durch den Tisch treten. Und morgen auch. Und übermorgen wahrscheinlich auch. Und überübermorgen wahrscheinlich auch noch mal.“
Routinier Sven Michel hatte für seinen Coach einen speziellen Wunsch: „Dass er sich komplett aus dem Leben schießt. Ich bringe den auch ins Krankenhaus. Ist mir ganz egal, aber der muss sich komplett aus dem Leben schießen.“ Paderborns Geschäftsführer Martin Hornberger stimmte in die Paderborner Aufstiegseuphorie ein: „Ich bin jetzt über 25 Jahre beim Verein, ich möchte noch mal aufsteigen, bevor ich im Mai 2028 in Rente gehe. Ich bin so was von scheiße glücklich. Das ist so geil. (…) Es ist einfach klasse. Das Publikum war schon besonders. Es fing mit dem Fanmarsch an, mit fast 4000 Leuten. Alle haben hier heute mitgemacht. Das zeigt, dass Paderborn doch eine echte Fußballstadt ist. Jetzt wird nur noch gefeiert, gefeiert, gefeiert.“
Zu den Garanten für den Paderborner Aufstieg zählte in der abgelaufenen Saison auch Keeper Dennis Seimen, der seinen Marktwert in den vergangenen zwölf Monaten vervierfachte. Ob der 20-Jährige auch über den Sommer hinaus an der Pader bleiben wird, ist noch offen. Die Leihgabe vom VfB Stuttgart hielt sich darauf angesprochen am Montagabend bedeckt, kündigte aber zeitnahe Gespräche an.
„Ich denke mal, dass die mir jetzt eins, zwei Tage gönnen, um den Aufstieg zu feiern. Dann setzen wir uns telefonisch in Verbindung und werden alles Weitere besprechen. (…) Persönlich hat mir Basti Hoeneß eine Nachricht geschickt, aber da ging es nur um die Aufstiegsspiele, er hat mir viel Glück gewünscht. Ansonsten hatte ich mit dem Torwarttrainer viel Kontakt. Alles weitere klären wir in den nächsten Tagen“, so Seimen, der auch Nachfrage bekräftigte, dass er sich auch bereit für die Champions League fühle.

Kettemann gibt Versprechen an Fans des SC Paderborn ab
Neben Seimens enden u. a. auch die Verträge von Calvin Brackelmann und Filip Bilbija (zur Übersicht). Unabhängig vom Ausgang der Paderborner Personalplanungen weiß Aufstiegstrainer Kettemann, dass die Bundesliga für den SCP eine riesige Herausforderung wird. Für die meisten Experten werden die SV Elversberg und Paderborn wohl die klarsten Abstiegskandidaten sein. Die konkrete Kaderplanung wird zentrale Aufgabe der kommenden Wochen sein. Kettemann ist aber schon jetzt überzeugt: „Wir werden besser sein. Wir haben jetzt auch ein bisschen andere Möglichkeiten. Wir müssen besser sein.“
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Glückwunsch zum Aufstieg!
Aber bei aller Euphorie...
"die wichtigste Entscheidung ist, dass wir heute Abend wirklich einen durch den Tisch treten. Und morgen auch. Und übermorgen wahrscheinlich auch. Und überübermorgen wahrscheinlich auch noch mal.“
"ich werde rübenrabenvoll sein."
"Ich bringe den auch ins Krankenhaus ... der muss sich komplett aus dem Leben schießen."
...geht's noch?!
Die sind am letzten Spieltag auf den Relegationsplatz gekommen, haben sich dann über zwei Spiele gegen den Erstligisten durchgesetzt und sind aufgestiegen. Was meinst du was die jetzt machen? Sich in Ruhe bei nem Glas Erdbeermilch hinsetzen? Natürlich lackieren die sich den Helm bis unters Dach.
Klar feiern die. Aber zwischen „Aufstieg feiern“ und „sich komplett die letzten Gehirnzellen wegspülen“ liegt halt noch ein kleiner Unterschied.
Manche Menschen genießen einfach den Moment — und andere tun so, als wäre Leberschaden Teil des Vereinswappens.
Fußballer/Trainer haben auch im Feiermodus einen Vorbildfunktion.
Man muss nicht ständig und überall dieses "Vorbildsfunktions"-Argument bringen. Menschen dürfen auch noch selber denken. Ich sitze auch nicht mit Kippe und Bier in der Umkleide, obwohl ich zu Baslers Hochzeit großgeworden bin. Das sind junge Typen, die einen riesigen Erfolg feiern wollen und dürfen. Und hier gönnen sie es sich halt auch mal über die Stränge zu schlagen und das auch mal in übertriebener Weise zu kommunizieren. Meine Güte. Muss heute alles direkt auf die Moralwaage gelegt werden, wenn einer mal frei Schnauze drauf losquatscht? Muss alles vernünftig, politisch und moralisch korrekt nach außen getragen werden?
Es geht doch gar nicht darum, Spielern jede Emotion oder jede dumme Aussage zu verbieten. Natürlich dürfen die feiern, emotional sein und auch mal übertreiben. Aber genau da liegt doch der Punkt: Zwischen ''wir lassen nach einem großen Erfolg mal alles raus'' und einem kompletten Verherrlichen von maßlosem Alkoholkonsum gibt es eben trotzdem Unterschiede.
Das Vorbildfunktion-Argument wird auch oft absichtlich falsch verstanden. Niemand behauptet ernsthaft, dass jeder Fan automatisch exakt das Verhalten eines Fußballers kopiert. Menschen haben Eigenverantwortung, klar. Aber öffentliche Personen prägen trotzdem, was gesellschaftlich als ''cool'', ''normal'' oder ''erstrebenswert'' wahrgenommen wird. gGerade im Fußball, wo Spieler für viele Jugendliche Idole sind darf und muss darauf geschaut werden.
Und nein, daraus folgt nicht, dass alles steril, politisch korrekt oder moralisch einwandfrei sein muss. Aber man kann doch gleichzeitig sagen:
''Feiert euren Erfolg, habt Spaß, seid emotional'' und trotzdem kritisch sehen, wenn völliger Kontrollverlust oder Exzess glorifiziert wird.
Außerdem wird oft so getan, als gäbe es nur schwarz und weiß.
1. Entweder komplett spießige Dauer-Moralpredigt oder 2. völlige Narrenfreiheit.
Dabei kann man sehr wohl Freiheit zulassen und trotzdem gewisse Dinge kritisch bewerten, ohne gleich jemandem den Spaß verbieten zu wollen.
Glückwunsch zum Aufstieg!
Aber bei aller Euphorie...
"die wichtigste Entscheidung ist, dass wir heute Abend wirklich einen durch den Tisch treten. Und morgen auch. Und übermorgen wahrscheinlich auch. Und überübermorgen wahrscheinlich auch noch mal.“
"ich werde rübenrabenvoll sein."
"Ich bringe den auch ins Krankenhaus ... der muss sich komplett aus dem Leben schießen."
...geht's noch?!
Die sind am letzten Spieltag auf den Relegationsplatz gekommen, haben sich dann über zwei Spiele gegen den Erstligisten durchgesetzt und sind aufgestiegen. Was meinst du was die jetzt machen? Sich in Ruhe bei nem Glas Erdbeermilch hinsetzen? Natürlich lackieren die sich den Helm bis unters Dach.
Klar feiern die. Aber zwischen „Aufstieg feiern“ und „sich komplett die letzten Gehirnzellen wegspülen“ liegt halt noch ein kleiner Unterschied.
Manche Menschen genießen einfach den Moment — und andere tun so, als wäre Leberschaden Teil des Vereinswappens.
Fußballer/Trainer haben auch im Feiermodus einen Vorbildfunktion.
Man muss nicht ständig und überall dieses "Vorbildsfunktions"-Argument bringen. Menschen dürfen auch noch selber denken. Ich sitze auch nicht mit Kippe und Bier in der Umkleide, obwohl ich zu Baslers Hochzeit großgeworden bin. Das sind junge Typen, die einen riesigen Erfolg feiern wollen und dürfen. Und hier gönnen sie es sich halt auch mal über die Stränge zu schlagen und das auch mal in übertriebener Weise zu kommunizieren. Meine Güte. Muss heute alles direkt auf die Moralwaage gelegt werden, wenn einer mal frei Schnauze drauf losquatscht? Muss alles vernünftig, politisch und moralisch korrekt nach außen getragen werden?
Mir geht es gar nicht primär um die Vorbildfunktion von Leistungssportlern in der Öffentlichkeit. Auch die Emotionen und absolute Euphorie kann ich nachvollziehen. Und dass man nach so einem hart erarbeiteten Erfolg beim Feiern übertreibt, kenne ich auch nur zu gut
Aber wenn (auch junge) Menschen keine anderen (intellektuellen oder sprachlichen) Mittel haben, um ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen, als stolz zu verkünden, dass man sich ins Koma saufen wolle, dann finde ich das halt tendentiell eher armselig und fast schon bemitleidenswert.
Aber mir ist schon klar, dass ich damit nicht die Mehrheitsmeinung vertrete.
- Geb./Alter:
- 30.10.2001 (24)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- SC Paderborn 07
- Vertrag bis:
- -
- Position:
- Rechtes Mittelfeld
- Marktwert:
- 3,00 Mio. €
- Geb./Alter:
- 20.08.1986 (39)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- SC Paderborn 07
- Aktuelle Funktion:
- Trainer
- Im Amt seit:
- 01.07.2025
- Gesamtmarktwert:
- 43,38 Mio. €
- Wettbewerb:
- Bundesliga
- Trainer:
- Ralf Kettemann
- Kadergröße:
- 32
- Letzter Transfer:
- Gabriel Vidovic










