Clemens Fritz ist der schlechteste Manager in der ganzen Liga. Wie lange noch?
Er wollte einen Panik-Verkauf am deadline day verhindern... Und verkauft zwei Wochen vor dem deadline Day zu Panik-Verkauf Konditionen.
Nur Clemens Fritz schafft es einen Spieler in diesem Alter für unter dem Marktwert zu verkaufen. Überall sonst wird allein für das Potenzial extra bezahlt. Nicht so bei dem schlechtesten Manager der Liga.
Ja, kann gut sein, dass Clemens Fritz der schlechteste "Manager" der Liga ist. Ich bin auch kein Freund von seiner Arbeit. Das liegt aber am allerwenigsten daran, dass er - angeblich - Spieler zu billig verkauft. Das tut er nämlich nicht. Und schon gar nicht notorisch. Ich erkläre gleich, warum ich das so sehe. Vorher möchte ich aber darauf hinweisen, dass die wahre Fehlleistung von Fritz in Sachen Talente die ist, dass er viel zu wenige junge Spieler heranschafft, bei denen dann tatsächlich eine große Wertsteigerung eintritt. Er versucht es ja schon länger. Erst unter Baumann und jetzt alleine. Er hat Alvero für 5 geholt und wird ihn jetzt für 2 nicht los. Er hat Malatini für 2 (oder so) geholt und wird ihn jetzt für den Preis auch nicht los. Deman ist immerhin (seit Thioune da ist) Stammspieler geworden, aber die große Wertsteigerung, die erwartet wurde, ist auch nicht eingetreten. An Hansen-Aroen oder Lee Buchanan erinnert sich schon gar keiner mehr. Bei Mbangula ist völlig unklar, ob man überhaupt das eingesetzte Kapital (10) wieder bekommt. Im Moment steht er laut Transfermarkt bei 8.
Nur bei Coulibaly hat es geklappt. Und da ist die Frage, ob die Initiative überhaupt von Fritz ausgegangen ist. Coulibaly ist ja eigentlich für die Jugendmannschaften geholt worden, und es kann gut sein, dass die Verpflichtung von den Jugendtrainern angestoßen wurde. Will sagen: Fritz' Bilanz beim Entdecken und Einkaufen von Talenten ist wirklich erbärmlich. Und wer nichts hat, kann auch nichts verkaufen. Und wer nur etwas Halbes hat, kann auch nur halbes Geld einnehmen. Das ist doch das Problem und nicht der Preis, zu dem man dann verkauft.
So, jetzt zum angeblich schlechten Verkäufer Fritz: Werder stand in diesem Transfer-Fenster dreimal vor der Situation, niedrige Angebote für einen einigermaßen wertvollen Spieler bewerten zu müssen. In einem dieser Fälle (Stage) hat Werder genau das getan, was hier von väterlich-freundlichen Fans anderer Clubs ganz ohne Hochmut geraten wird: Fritz hat zwei Angebote Hoffenheims, die unter dem Marktwert lagen, abgelehnt - mit der Folge, dass der Transfer nicht stattgefunden hat. Die Geschichte wird bei den Diskussionen hier seltsamerweise vergessen. In den anderen beiden Fällen, Schmid und Coulibaly, hat Fritz ebenfalls erst Angebote abgelehnt, bevor er die zweimal nachgebesserten dann angenommen hat. Klar, beide Endpreise beide sind deutlich unter "Marktwert", aber dafür gibt es gute Gründe - und keiner davon ist Fritz' mangelndes Verhandlungsgeschick. Die wahren Gründe sind:
1.Nur 1 Interessent: Alle drei genannten Fälle haben die Gemeinsamkeit, dass sich jeweils nur 1 Verein für die Spieler Stage, Schmid und Coulibaly interessierte, von denen dummerweise auch noch keiner aus England war. Das allein erklärt schon zu einem guten Teil, die Niedrigkeit der Gebote. Wenn es keine Konkurrenz gibt, können die Kaufinteressenten mit absurd niedrigen Geboten einsteigen und auch in absurd niedrigen Schritten steigern - zumal sie auch wissen, dass
2. Werder pleite und deswegen erpressbar ist. Und zwar richtig. Man muss es hier vielleicht für Fans anderer Vereine noch einmal richtig deutlich sagen: Werder liegt in finanzieller Hinsicht inzwischen auch deutlich hinter Clubs wie Mainz, Augsburg, Möchengladbach und sogar Köln und dem HSV. Als ähnlich pleite wie Werder würde ich nur Union und die drei Aufsteiger ansehen. Insbesondere hat Werder eben überhaupt kein Eigenkapital, das berühmte "Festgeldkonto" also. Es muss daher schon seit Jahren von der Hand in den Mund gelebt werden. Werder braucht die Einnahmen aus Verkäufen also noch mit einer ganz anderen Dringlichkeit als vergleichbare Clubs - zum selber Einkaufen nämlich. Und genau das macht Werder so erpressbar. Natürlich ist es aus diesem Grund auch völlig unsinnig, Werder mit Stuttgart oder gar Dortmund zu vergleichen, wie es hier passiert.
3. "Marktwerte" zu hoch. In allen drei Fällen, die ich hier bespreche, waren die Marktwerte von Transfermarkt meiner Meinung nach von vornherein zu hoch. Und das meine ich überhaupt nicht als Kritik an an unserer geschätzten Plattform hier. Es ist schlechterdings unmöglich für jeden einzelnen Spieler und jede einzelne Verhandlungssituation die Ablöse korrekt zu prognostizieren (was ja überdies auch gar nicht das Ziel von TM ist). Transfermarkt-Marktwerte gehen für mein Gefühl immer vom Idealfall aus. Das heißt: 1. Mehrere Bieter 2. Darunter Bieter aus England 3. Lange Vertragslaufzeit 4. Spieler war schon mal in Europa League oder Champions League im Fernsehen zu sehen 5. Verkaufender Club muss nicht unbedingt verkaufen. 6. Spieler ist gesund, wenn das Transfer-Fenster beginnt. 7. Spieler ist bereit, zum Höchstbietenden zu gehen - wer immer das auch ist. Etc. Etc. Etc.
Wenn mehrere der Faktoren, die ich gerade aufgezählt habe, nicht gegeben sind, dann sinkt eben der wahre Marktwert, die Ablöse, erfahrungsgemäß. Und es hat dann auch keinen Sinn, die Verkaufsleistung eines Managers an diesen zu hohen Marktwerten zu messen. Bei den drei Fällen, die ich hier diskutiert habe, sind gleich mehrere dieser Faktoren weggefallen, und das erklärt, warum längst nicht die Ablöse erzielt werden konnte, die der TM-Markwert versprach. Nebenbei bemerkt: Werder ist ja auch längst nicht der einzige Verein, der in diesem Sommer unter Marktwert verkaufen musste. (Ich weiß nicht, ob das früher nicht so oft vorgekommen ist, oder ob es mir in diesem Sommer nur besonders auffällt, dass die TM-Marktwerte deutlich unterschritten werden).
Also, Clemens Fritz (und Peter Niemeyer) machen sicher viel falsch. Aber sie verkaufen nicht zu billig!








